Gedanken über die Zeit

Anfang des Jahres hat unsere Schülerin Samira Arifi aus der E-Phase ihr Praktikum in der Gedenkstätte Trutzhain absolviert. Im Rahmen der dortigen Veranstaltung „Den Nazis eine schallende Ohrfeige verpassen“ hat sie das Publikum mit ihrem eindringlichen Vortrag zum Thema „Zeit“ beeindruckt. Anlässlich des sich jährenden Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa am 8. Mai 1945 hat Samira uns ihre Rede zur Veröffentlichung überlassen und leicht angepasst.

Hier geht es zu Samiras Gedanken über die Zeit.

Warum erscheint gerade am 8. Mai ein Text über Zeit?

Der 8. Mai ist ein besonderer Tag. Der 8. Mai ist ein Tag, der an die Vergangenheit erinnern soll. Die Zeit für alles, was wir nicht mehr ändern können. Wir können nur noch an sie erinnern. Wir müssen es sogar. Manche Menschen würden sagen, die Vergangenheit ist nicht wichtig. Das stimmt nicht. Die Vergangenheit bestimmt alles. Wir sollten aus ihr lernen. Denn aus der Vergangenheit entspringt die Gegenwart, das  Nie wieder, das Hier und Jetzt. Sie lesen einen Text über Zeit - und schon ist sie Vergangenheit.

Dann ist da noch die Zukunft. Die Zeit für all unsere Wünsche und Träume. Ich wünsche mir, dass jeder so sein kann, wie er ist. Dass jeder frei glauben und frei lieben kann. Dass jeder frei leben kann. Die Realität sieht leider anders aus. Die Realität ist, dass viele junge Menschen Angst um die Zukunft haben, in der sie leben werden. Was für eine Welt wird das sein?

Vor uns liegt noch so viel Zeit, noch so viel Zukunft. Sie ist ungewiss, sagt man. Mal schauen, was die Zukunft bringt. Aber die Zukunft fängt doch hier an. Warum auf ein “Irgendwann” warten, in dem vielleicht alles besser wird? Wenn wir doch Wünsche und Träume haben, warum arbeiten wir nicht daran, dass sie wahr werden? Wir müssen uns aktiv für Werte einsetzen, die uns wichtig sind. Für Gerechtigkeit, für Offenheit, für Demokratie.

Ich glaube, ein erster Schritt in eine lebenswerte Zukunft ist, in die Vergangenheit zu blicken. Deshalb erscheint am 8. Mai ein Text über Zeit. Weil wir auf diesen Tag zurückschauen sollten, an dem 1945 der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende ging, der Millionen Menschenleben gefordert hatte. Heute sollten wir ihrer gedenken und so etwas nie wieder geschehen lassen.