„Wohin man guckt: Überall ist Literatur, Kultur und Geschichte“. Diese Aussage einer Schülerin trifft auf den Punkt, was die thüringische Stadt Weimar so besonders macht. Im Rahmen des Deutschunterrichts unternahm der gesamte Jahrgang Q2 des Schwalmgymnasiums vor den Osterferien eine Studienfahrt dorthin. Ziel der Fahrt war es, auf Goethes und Schillers Spuren zu wandeln und die literarische Epoche der Weimarer Klassik vor Ort mit Leben zu füllen. Dass die Stadt, damit verbunden und davon losgelöst, auch große historische Bedeutung hat, wurde den Schülerinnen und Schülern dort ebenfalls bewusst.
Wie wohnte eigentlich Goethe? Ach, ein Gartenhaus hatte er auch? Wo lebte denn Schiller? Und warum ist beiden ein Denkmal vor dem Nationaltheater gewidmet? Diesen Fragen und noch vielen mehr konnten die Jugendlichen mit ihren Deutschkursen näher auf den Grund gehen. Im Zuge einer Stadtführung, mit Audioguides in verschiedenen Museen und selbstständig in Kleingruppen gingen sie knapp drei Tage lang auf Entdeckungstour durch Weimar. Ergänzend dazu stand eine multimediale Ausstellung zu Goethes Drama „Faust“ auf dem Programm, das alle derzeit im Unterricht behandeln. So ermöglichte die Fahrt vertiefende Einblicke in die berühmteste Tragödie der deutschsprachigen Literatur, in das Leben und Wirken ihres Autors und seiner Zeitgenossen.
Wer noch mehr Kultur „mitnehmen“ wollte, konnte beispielsweise den beeindruckenden Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek bestaunen, Weimar als Heimat des „Bauhaus“ kennenlernen oder tiefer in die Geschichte der Weimarer Republik eintauchen.
Bestes Frühlingswetter mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein ermöglichte natürlich auch eine kleine Pause im Park an der Ilm oder in einem der vielen Cafés in der Innenstadt. Dass bei einer Fahrt mit knapp hundert Jugendlichen auch am Abend der Spaß nicht zu kurz kam, versteht sich von selbst.
Doch neben aller Kultur und Ausgelassenheit bot die Weimar-Fahrt auch Gelegenheit, einen Blick in das dunkelste Kapitel der deutschen Vergangenheit zu werfen. Denn vor den Toren Weimars lag während der Zeit des Nationalsozialismus das Konzentrationslager Buchenwald. Der Besuch der Gedenkstätte hinterließ bei den Teilnehmenden einen bleibenden Eindruck, da die Besichtigung des Geländes und der Besuch der Ausstellung die NS-Verbrechen auf eindringliche Weise greifbar machten. Was der Mensch dem Menschen antun kann, gut einhundert Jahre nach der Klassik, die für das Ideal der Humanität und die Veredelung des Charakters steht, bewegte die Schülerinnen und Schüler sehr und regte zum Nachdenken an.
So ermöglichte die alljährliche Weimar-Fahrt wieder vielfältige Erfahrungen und die Möglichkeit, sich Unterrichtsstoff nicht nur „von Weitem“ zu erarbeiten, sondern sich ihm ganz unmittelbar zu nähern.
















