Man spürte schon am frühen Morgen in der 8D, dass das kein gewöhnlicher Unterrichtstag werden würde. Wir stellten gemeinsam einen Stuhlkreis, arrangierten das gemeinsame Buffet und begrüßten dann mit einem gemeinsamen „Guten Morgen” den Sänger und Kindertagesstättenleiter Patrick Heidenreich, die Schulsozialarbeiterin Martina Umbach sowie das Kamerateam vom hessischen Rundfunk.
Patrick leitete uns zunächst an, einander mitzuteilen, was eine Klassengemeinschaft eigentlich ausmache. Dazu wurde ein Wollknäuel von Person zu Person geworfen und mit jeder Antwort, wie zum Beispiel „sich gegenseitig unterstützen“, „keinen ausschließen“ oder „jeden akzeptieren“ entsponn sich ein Netz in der Mitte des Kreises, das uns alle verband und unsere Klassengemeinschaft visualisierte. Im Weiteren tauschten wir uns darüber aus, was wir eigentlich unter Mobbing verstehen. Dabei wurde der Fokus vor allem auf die Betroffenen gelegt; mit viel Empathie konnten sich die Schülerinnen und Schüler vorstellen, wie leidvoll und verletzend Mobbing wohl ist. Im weiteren Gespräch wurde erläutert, dass Mobbing vor allem durch ein wiederholtes und systematisches Belästigen definiert wird und als Form von psychischer Gewalt gilt, wodurch es weit über ein einzelnes Ärgern hinausgeht.
Doch was kann man in einem solchen Fall tun? „Holt euch Hilfe, sprecht mit Freunden, Eltern, Lehrkräften, der Schulsozialarbeiterin..!“, appelliert Patrick Heidenreich, „und vor allem: Hört niemals auf, an euch und eure Träume zu glauben!“ Diese Zeile taucht auch in seinem Song „Niemals allein“ auf, den Patrick uns anschließend vorspielte. Ernste, betroffene Gesichter in der Runde. Der Sänger ermutigte dazu, ihm Fragen über das Songwriting zu stellen und erzählte, dass er am Anfang seiner Karriere selbst mit Hate-Kommentaren im Internet konfrontiert wurde; dennoch habe er an seinem Traum, dem Musikmachen, festgehalten.
Nun folgten einige TV-Interviews, in denen die Schülerinnen und Schüler sich individuell zum Thema „Mobbing“ und das Projekt äußerten.
Im Anschluss erhielten Arbeitsgruppen einzelne Liedzeilen aus „Niemals allein“ und sollten auf der Grundlage von Fragen Plakate dazu gestalten. Es entstand eine bunte Sammlung an tiefergehenden Überlegungen, wie man sich in Mobbing-Situationen verhalten kann, was das Selbstvertrauen stärkt und wie wichtig Zusammenhalt ist. Denn wenn in einer Klasse nicht weggeschaut wird, falls jemand gemobbt wird, ist das ein wichtiger Unterstützungsansatz. Eine weitere Gruppe übernahm mutig den Auftrag, Spielszenen vorzubereiten, die sowohl Mobbingsituationen als auch „ normales“ Ärgern zeigen.
Die Schülerinnen und Schüler stellten - absolut souverän unter den erschwerten Bedingungen des Mitfilmens - ihre Ergebnisse vor. Eindrücklich konnte auch im Rollenspiel gezeigt werden, wie gewaltsam Mobbing stattfindet und wie sehr Betroffene darunter leiden - oft ein Leben lang.
Genau deswegen sei es Patrick Heidenreich eine Herzensangelegenheit gewesen, einen Song darüber zu schreiben. „Über ein kreatives Medium wie Musik erreicht man die Menschen noch einmal auf einer anderen Ebene”, äußerte sich Klassenlehrerin Tanja Neiber gegenüber des hr. Und nun lud Patrick die Klasse dazu ein, mit ihm den Song zu performen. Nach einigen Übungsrunden saß der Refrain und konnte bei laufender Kamera im Chor mitgesungen werden - gemeinsam.
An der gelösten Stimmung danach und Feedback wie „Wir haben heute viel Generelles gelernt!“ konnte man förmlich spüren, dass die Klasse einiges mitgenommen hatte über Angst, Mut, Vertrauen oder Selbstwert und die Message rüberkam: „Ey und ich will nur, dass du weißt: Du bist niemals allein! Hör’ niemals auf an dich zu glauben, lass‘ dir nicht deine Träume nehmen!“








